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03.08.2026

Ein Bett als Therapiehelfer

Was passiert, wenn die Rehabilitation auch nachts weitergeht? Eine aktuelle Studie untersucht, wie ein Schlafbett die Schlafqualität und den Reha-Erfolg unterstützen kann.
Quelle: Shutterstock

Was wäre, wenn die Rehabilitation nach einem Schlaganfall oder bei Parkinson nicht endet, wenn der Therapietag vorbei ist? VITREA und die ETH Zürich gehen gemeinsam der Frage nach, wie auch die Nacht dazu beitragen kann, Reha-Fortschritte zu unterstützen. 

Im Mittelpunkt steht ein besonderes Bett, das Patient:innen mit sanften Bewegungen in den Schlaf begleitet. Ziel einer aktuellen Studie ist, herauszufinden, ob diese sogenannte vestibuläre Stimulation den Schlaf von Menschen nach einem Schlaganfall verbessert. Eine Folgestudie wird untersuchen, ob sich damit auch Symptome bei Parkinson positiv beeinflussen lassen.

 

Bild-Quelle: ETH Zürich

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Schlaf als unterschätzter Baustein der Rehabilitation

Nach einem Schlaganfall oder bei anderen neurologischen Erkrankungen kämpfen viele Menschen mit Schlafproblemen. Manche Menschen leiden schon vor der Erkrankung darunter. Bei anderen entstehen oder verstärken sie sich erst durch die Erkrankung selbst oder auch durch den Klinikalltag – etwa durch ungewohnte Schlafenszeiten oder ein Mehrbettzimmer.

Lange galt schlechter Schlaf vor allem als Belastung für das Wohlbefinden. Heute zeigen Studien jedoch: Er wirkt sich auch direkt auf den Erfolg einer Rehabilitation aus. «Patient:innen, die schlecht schlafen, haben sich am Ende der Rehabilitation oft weniger gut erholt als Menschen mit gutem Schlaf», sagt Prof. Dr. med. Karsten Krakow, Chief Medical Officer der VITREA Schweiz AG. Genau deshalb beschäftigt sich die Klinik im Rahmen ihres Projekts «Schlafgesunde Klinik» intensiv mit dem Thema Schlaf. Die Zusammenarbeit mit der ETH Zürich und die Studie zum Schlafbett sind ein Baustein dieses umfassenden Projekts.

Die Idee hinter dem Schlafbett

Das Schlafbett wurde ursprünglich entwickelt, um die Schlafqualität zu verbessern – nicht speziell für Patient:innen, sondern für Menschen mit Schlafstörungen ganz allgemein. Gemeinsam mit der ETH Zürich untersucht VITREA nun, ob diese Technologie auch Menschen nach einem Schlaganfall hilft. Dies auch vor dem Hintergrund, dass Schlafstörungen das Risiko für einen weiteren Schlaganfall erhöhen.

Auf den ersten Blick wirkt das Bett unscheinbar. Während der Nacht bewegt es sich jedoch nahezu geräuschlos einige Zentimeter in Kopf-Fuss-Richtung hin und her. «Es ist eine sehr sanfte, absolut geräuschlose Bewegung», sagt Karsten Krakow. «Eine der grössten Herausforderungen aus ingenieurtechnischer Sicht war es, genau diese Bewegung so sanft umzusetzen.» Diese Bewegung bewirkt die sogenannte vestibuläre Stimulation. Dabei wird das Gleichgewichtssystem angeregt, das mit verschiedenen Bereichen des Gehirns verbunden ist – unter anderem mit Regionen, die den Schlaf steuern. Frühere Untersuchungen deuten darauf hin, dass diese Form der Stimulation den Schlaf positiv beeinflussen kann.

«Im Schlaf findet ausserdem die Gedächtniskonsolidierung statt», erklärt Karsten Krakow. «Das, was wir tagsüber gelernt haben, wird dabei ins Langzeitgedächtnis übertragen.» Studien liefern Hinweise darauf, dass die vestibuläre Stimulation diesen Prozess unterstützt. Damit könnte der Schlaf nicht nur erholsamer werden, sondern möglicherweise auch dabei helfen, das tagsüber Gelernte aus den Therapien besser zu verankern. Ob das tatsächlich so ist, müssen weitere Studien zeigen.

Die Idee im Praxistest

An der laufenden Studie nehmen Menschen teil, die sich nach einem Schlaganfall in der neurologischen Rehabilitation in der Rehaklinik Zihlschlacht befinden und unter Schlafstörungen leiden. Untersucht wird, ob die sanfte Bewegung des Bettes ihre Schlafqualität und ihre Tagesbefindlichkeit verbessert. Die Teilnehmenden schlafen jeweils eine Woche mit und eine Woche ohne aktivierte Bewegungsfunktion des Bettes. Was zuerst kommt, wird ausgelost. So können die Forschenden besser beurteilen, ob Veränderungen tatsächlich mit dem Schlafbett zusammenhängen oder Teil des normalen Rehabilitationsverlaufs sind.

Um ein möglichst genaues Bild zu erhalten, erfassen die Forschenden den Schlaf auf verschiedene Weise: Die Teilnehmenden führen ein Schlaftagebuch und beantworten Fragebögen. Zusätzlich kommen eine Smartwatch, Sensoren unter der Matratze sowie in zwei Nächten sogenannte Polysomnographien zum Einsatz – eine umfassende Untersuchung, bei der man den Schlaf während der Nacht detailliert aufzeichnet.

«Ich habe geschlafen wie ein Baby.»

– Walter, Patient und Studienteilnehmer

Erste Erfahrungen machen Hoffnung

Die Studie läuft noch. Weitere Patient:innen nehmen an der Untersuchung teil, bevor die Ergebnisse vollständig ausgewertet werden können. Die bisherigen Rückmeldungen der Teilnehmenden und erste Zwischenauswertungen stimmen die Forschenden jedoch zuversichtlich.

Auch Schlaganfallpatient Walter nahm an der Studie teil. Vor dem Einschlafen empfand er die sanften Bewegungen als wohltuend: «Das Schaukeln hat mich angenehm müde gemacht.» Nach der ersten Nacht lautete sein Fazit: «Ich habe geschlafen wie ein Baby». Und auch tagsüber habe er einen Unterschied gespürt: «Wenn ich gut geschlafen habe, verspürte ich mehr Lust und Motivation für die Therapien.» Karsten Krakow freut sich über solche Feedbacks: «Genau das möchten wir erreichen. Wenn Patient:innen ausgeruhter in den Tag starten, ist das eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Rehabilitation.»

Solche Erfahrungen spiegeln sich auch in den bisherigen Zwischenergebnissen der Studie wider: Rund 90 Prozent der Teilnehmenden empfinden die sanften Bewegungen als angenehm und hilfreich beim Ein- und Durchschlafen. Erste Auswertungen deuten zudem darauf hin, dass die Patient:innen in Nächten mit aktivierter Bewegungsfunktion tendenziell besser und tiefer schlafen. Ob sich dieser Effekt statistisch bestätigt, wird die vollständige Auswertung zeigen. 

Bild-Quelle: ETH Zürich

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Forschung im Zusammenspiel

Die Studie von VITREA und der ETH ist weit mehr als ein Praxistest für ein neues Bett, sondern ein wissenschaftliches Projekt als Teil einer langjährigen Zusammenarbeit. «Wir haben die Studie zusammen konzipiert», sagt Karsten Krakow. «Die ETH Zürich bringt vor allem das technische Know-how und den Support für das Schlafbett ein. VITREA ergänzt die neurologische und schlafmedizinische Expertise, begleitet die Patient:innen und führt die Untersuchung im Klinikalltag durch.» So wie bei vielen weiteren gemeinsamen Projekten, wenn es um technische medizinische Innovationen geht.

Die Erfahrungen der Teilnehmenden fliessen auch in die Weiterentwicklung ein. So entstand etwa der Wunsch, die Stärke und Geschwindigkeit der Bewegung individuell einzustellen. Künftig wäre auch denkbar, das Bett direkt auf den gemessenen Schlaf reagieren zu lassen: Wird der Schlaf leichter, könnte die Bewegung automatisch wieder einsetzen. Noch ist das eine Zukunftsidee. Sie zeigt aber, wie aus technischer Entwicklung, medizinischer Forschung und den Rückmeldungen von Patient:innen gemeinsam neue Lösungen entstehen.

Der nächste Schritt: Parkinson im Fokus

Mit der aktuellen Studie zum Schlaf der Schlaganfallpatient:innen endet die Forschung rund um das Schlafbett nicht. Im nächsten Schritt werden VITREA und die ETH untersuchen, ob die vestibuläre Stimulation bei Menschen mit Parkinson nicht nur den Schlaf verbessert, sondern sich auch direkt positiv auf die Symptome der Erkrankung auswirkt. Hinweise darauf gibt es bereits. Ob sich diese auch im klinischen Alltag bestätigen und sich daraus neue Möglichkeiten für die neurologische Rehabilitation ergeben, soll die nächste Studie zeigen. 

Mit dieser Überzeugung treiben VITREA und die ETH ihre gemeinsame Forschung weiter voran: Fortschritt in der Rehabilitation entsteht dort, wo medizinische Erfahrung, technologische Innovation und wissenschaftliche Neugier zusammenkommen – immer mit dem Ziel, Menschen auf ihrem Weg zurück in den Alltag bestmöglich zu unterstützen.